Alles hat in Sins angefangen

und geht immer weiter


1. Sins als Startpunkt 

Alice und Alfons sind in Sins geboren und aufgewachsen. Alfons ist 3 Jahre älter als Alice und sie lernten in derselben Schule. Obwohl sie sich seit langer Zeit kannten, verliebten sie die zwei erst später. Als Alice nach Zug ins Kino ging, war Alfons auch zufällig dort. Nach diesem Treffen schenkte Alfons Alice einen grossen Blumenstrauss. 

«Denn ich war Gärtner von Beruf», lacht Alfons. Er hat lange als Gärtner in Parks und Gärten gearbeitet. Er beherrscht als Naturkenner die Namen vieler Pflanzen in Latein. 

Alice hatte auch ihren Beruf. Sie arbeitete als Krankenschwester, als sie jung war. 

«Meine Frau war Pflegefachfrau und sie spricht sehr gut Italienisch», Alfons sagt es mit Stolz auf seine Frau. 

Seit 58 Jahren sind Alice und Alfons ein gutes Ehepaar. Als ich sie fragte, wie lange sie verheiratet sind, antwortete Alice sofort, «wir haben im 1961 geheiratet. Also vor 58 Jahren». Alice hat ein gutes Gedächtnis und erinnert sie sich an alles. 

2. Vergangene Zeiten

Alice und Alfons haben mir von ihren Erfahrungen in Sins und an anderen Orten erzählt, wo sie gewohnt haben. In Sins hatten die Menschen damals Hühner und andere Tiere auf dem Land und die Kinder spielten draussen, ohne sich um Autos zu sorgen, weil nur zwei Personen im Dorf ihr eigenes Auto hatten. Alice hat mir auch ein Foto des Waschhauses gezeigt, wo ihre Familie viele Kleider wusch. Diese Erinnerungen während und nach dem Krieg zeigen mir einen Teil der Schweizer Geschichte, über den ich keine Kenntnisse hatte. 

Sowohl Alice als auch Alfons sprechen immer entspannt und lächelnd über ihr Leben und dramatisieren keine Ereignisse, obwohl sie schwierige Erfahrungen machten. Sie erzählen alles mit warmen, humorvollen Wörtern. Einmal haben sie mir über eine Ihrer Töchter erzählt. Sie wurde behindert geboren und sprach nicht, aber sie hatte ein besonderes Talent: sie konnte die Melodie eines Liedes ganz gut lernen, nachdem sie paarmal das Lied im Radio gehört hatte. Alice und Alfons haben einen liebevollen Ausdruck im Gesicht, wenn sie von diesem Wunder erzählen. 

3. Das Leben geht jetzt in Zürich weiter

Alice und Alfons leben jetzt zusammen im Pfundhaus. Am Ende des Flurs und hinter der Tür sieht man plötzlich ein schönes Zimmer, das wie eine gemütliche private Wohnung aussieht. Aus einem Fenster können wir das ganze Panorama der Stadt Zürich mit Uetliberg im Hintergrund sehen. Auf der anderen Seite sieht man die Polybahn. Während den Treffen sah ich viele Male, wie diese rote, charmante Seilbahn auf die Brücke fuhr, auf der Polyterrasse ETH ankam, viele Passagiere ausstiegen, noch einmal viele andere einlud und wieder nach unten fuhr. Auf der Polyterrasse essen viele Studenten, trinken mit Freunden einen Kaffee oder lesen etwas in der Sonne. Wenn man den Blick in die Nähe richtet, sieht man einige Hühner, die fröhlich auf dem Rasen laufen und springen.

An diesem ruhigen und schönen Ort sind Alice und Alfons ziemlich beschäftigt. Sie machen jeden Tag verschiedene Aktivitäten wie Singen, Gärtnern und Basteln. Und sie stricken im Zimmer Socken, um sie beim Bazar zu verkaufen. Ja, Alfons strickt auch sehr gut Socken! Alice liest jeden Tag die Zeitung und interessiert sich immer dafür, was heute in der Welt passiert. Sie hat mich einmal gefragt, ob es wahr ist, dass die Äpfel in Japan von Hand bestäubt werden. Niemand hatte mir vorher eine so spezifische Frage über die japanische Landwirtschaft gestellt. 

 

Das Leben von Alice und Alfons hat in Sins angefangen und sie wohnen jetzt in Zürich. Ich bin sehr froh darüber, dass ich ein so gutes, glückliches Ehepaar wie Alice und Alfons kennengelernt habe und mit Ihnen eine angenehme Zeit verbringen konnte.